KUNST & RELIGION als Bildband

Erste Dokumentation der beliebten Vortragsreihe in Wiesbaden

Von Anja Baumgart-Pietsch, 05.12.2013

WIESBADEN - Dass man Bilder wie „Christus mit Dornenkrone“ oder Statuen wie den „Gnadenstuhl“, beide um 1500 entstanden, aus theologischer Sicht interpretieren kann, leuchtet ein. Aber Beuys’ „Blue Jeans mit getrockneten Fischen“? Oder Friedrich Vordemberge-Gildewarts „K 116 (Das blaue Bild)“?
Seit 2004 unternehmen die Kunsthistorikerin Simone Husemann und der katholische Theologe Stefan Scholz im Wiesbadener Landesmuseum einmal pro Monat den Versuch, die unterschiedlichsten hier ausgestellten Kunstwerke aus zwei nahezu entgegengesetzten Blickwinkeln vorzustellen. Die einstündigen Veranstaltungen sind stets gut besucht, obwohl es nicht unanstrengend ist, sich tatsächlich 60 Minuten mit nur einem einzigen Werk zu befassen.

Zwölf Exponate

Nun ist zum ersten Mal ein Buch erschienen, in dem die 2013 stattgefundenen Veranstaltungen in dieser Reihe „Kunst und Religion“ dokumentiert werden. Zwölf Exponate aus einem über 500 Jahre umfassenden Zeitraum werden in dem schön gestalteten Bildband, herausgegeben vom Veranstalter, der Katholischen Erwachsenenbildung Wiesbaden, vorgestellt, jeweils mit großformatiger Abbildung und zwei Aufsätzen der beiden Wissenschaftler, die ihren Blick auf die Bilder, Fotografien oder Skulpturen vorstellen.

Erhellend, inspirierend und bereichernd: Mit diesen Prädikaten stellte Lektorin Ina Germes-Dohmen das Buch nun im Museum vor. Dass die beiden Präsentatoren der Reihe, die jeden ersten Dienstag im Monat um 18.30 Uhr im Landesmuseum stattfindet, ein „Dream-Team“ sind, bekräftigte auch Elke Wirtz-Meinert, Leiterin der katholischen Erwachsenenbildung Wiesbaden. „Wir sprechen uns untereinander nicht ab“, sagte Simone Husemann. Die gemeinsamen Gänge durch das Museum, um neue Exponate auszusuchen, seien sehr spannend. Noch spannender jedoch seien die individuellen Deutungen der Bilder, die erst am Abend der Präsentation zutage treten.

Dass es diese nun erstmals in Buchform gibt, freut alle Beteiligten – auch Museumsdirektor Alexander Klar, der die Reihe „Kunst und Religion“ als „unser beliebtestes Format“ bezeichnete. Dass so ein Bildungsprogramm trotz mancher Vorbehalte eine wichtige Aufgabe eines kirchlichen Bildungswerks sei, bekräftigte Elke Wirtz-Meinert. „Ich glaube, dass die Menschen wissen, dass sich hier gerade die katholische Kirche von einer sehr offenen und hoch qualifizierten Seite zeigt.“ Es sei keineswegs ein „bourgeoises Angebot“ oder ein Luxusthema, wie anfangs einer der Vorwürfe lautete. Kunstwerke brauchten kompetente Erklärung. Man sei nun lange nicht mehr die einzige kirchliche Bildungseinrichtung, die dieses Thema einbeziehe.

Mit dem Buch, das, so hofft man, den Auftakt zu einer jährlichen Reihe bildet, geht man einen neuen Weg der Präsentation. „Mit unseren Angeboten sind wir auskunfts- und sprachfähig in christlicher Verantwortung“, sagte Witz-Meinert.

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